Letztes Wochenende war ich nach 7 Jahren mal wieder in London, der Grund: Theater. Angefangen hat alles mit einer Meldung Mitte April, daß Richard Armitage in 'The Crucible' auf der Bühne steht. Da ich Snooker-Fan bin, habe ich mich gefragt, was er in Sheffield macht, bis mir klar wurde, daß dies der Originaltitel von Arthur Miller's Hexenjagd ist.
Also habe ich geschaut wann ich wie am besten nach London komme. Die Entscheidung fiel auf das erste Augustwochenende. Also Ticket gebucht, 4. Reihe im Parkett am Freitag 1.8. um 19.30.
Mitte Juni habe ich nach Programmpunkten für den Freitagvormittag gesucht, dabei bin ich auf das Globe Theatre gestoßen. Was dort meine Aufmerksamkeit gefesselt hat, war die Besetzung des Stücks Julius Cäsar, als Cassius wurde dort Anthony Howell geführt. Am Freitag und Samstag des Wochenendes gab es zwei Matineevorstellungen. Ich habe etwas gegrübelt und mich a) entschieden mir ihn ebenfalls auf der Bühne anzusehen und b) die Vorstellung am Freitag zu besuchen, weil es dort noch die besseren Plätze gab und ich mir damit meinen Ausflug nach Stratford und Hackney am Samstag nicht verbauen würde.
Nun war es soweit, Anreise per Bus und Fähre. Der Bus war noch ganz ok, aber die Fähre auf der Hin- und Rückfahrt war eine Katastrophe. Bei der Hinfahrt waren wir pünktlich, aber die Abfertigung war so langsam, daß wir erst eine spätere Fähre nehmen konnten und die hatte dann noch eine halbe Stunde Verspätung. (Bei der Rückfahrt fielen dann zwei Fähren komplett aus.) Ankunft in London kurz nach 21 Uhr, Gott sei Dank hatte ich nichts wichtiges für diesen Abend geplant.
Am nächsten Morgen bin ich dann von Hammersmith in die Innenstadt gefahren und habe mir meine vorbestellten Theaterkarten abgeholt, erst am Old Vic und dann am Globe. Dort konnte ich wie geplant mir das Theater auf einer geführten Tour ansehen. Die Zeit bis zur Aufführung habe mir dann in der Cafeteria mit einem Sandwich und einer hausgemachten Limonade vertrieben. Anthony Howell habe ich dort auch erspähen können, leider hatte ich meine kleine Kamera nicht griffbereit. Um 14 Uhr fing Julius Cäsar an. Rund 3,5 h, ich war so fasziniert, dass ich glatt vergessen habe, dass ich ja mein Opernglas dabei hatte. Und so schlecht wie es manche Kritiker fanden, war es nun auch nicht, naja man kann an allem ein Haar finden. Es war eine typische elisabethanische Aufführung in Kostüm und mit abschließenden Jig. Nach der Vorstellung habe ich an der Stage Door gewartet, um mir von Anthony Howell, wegen dem ich ja die Karte gekauft hatte, ein Autogramm zu holen. Ich bekam dann von einem Mitarbeiter des Theaters den Tipp, doch mal in der Bar nachzuschauen. Erst war ich von dieser Situation nicht ganz begeistert, aber ich habe wohl einen guten Augenblick erwischt, und ich habe nun mein Autogramm mit Widmung und ihn wohl nicht allzusehr gestört, da er sich noch einige Minuten mit mir im Anschluss unterhalten hat. Um ein Foto habe ich aber wegen des Umfelds nicht gebeten, obwohl ich zu dieser Zeit wohl die einzige war, die wegen des Autogramms gefragt hat. (Dafür habe ich 2 unerlaubte Aufnahmen im Globe gemacht...)
Der Abend war ein Kontrastprogramm. Auf dem Weg zum Old Vic habe ich mir dann ein Sandwich zum Abendessen gegönnt (ich liebe diese Teile). Dann habe ich mir auf der Toilette ein frisches Oberteil angezogen und meine Nase gepudert. Im Anschluss habe ich mir eine Victorian Lemonade in der Bar gegönnt. Um 19.30 begann das Stück, es wurde 'in the round' gespielt, d.h. es gab keine klassische Bühne. Nur eine freie Fläche in der Mitte und rundherum die Zuschauer.
Das Stück kannte ich vorher nicht, hatte aber einige Kritiken gelesen, die begeistert waren, aber einige Längen bemängelten. Das stimmte auch, ein erstklassiges Ensemble, aber man hätte diese 3,5 h etwas kürzen können. Richard war gut, aber weil auch die anderen gut waren, stach er nicht heraus. Auch hier habe ich wieder das Opernglas vergessen. Aber da ich in der 4. Reihe gesessen habe, wäre das auch überflüssig gewesen.
Nach dem Stück habe ich mich ebenfalls zur Stage Door begeben, da stand schon eine Schlange von etwa 20 m Länge, nach mir waren es ca. nochmal genauso viele. Es waren so ca. 99,99% Frauen... Um diese Masse abzuarbeiten, war es wie am Fließband. Ein Autogramm, wenn es jemand Dritten gab, der ein Foto machte, dann auf die Bitte noch noch die Frage ''where is the camera?'' Und eine Aufnahme, das war es... pro Person vielleicht 10 bis 15 Sekunden (entsprechend sieht die Unterschrift auch aus:-) ). Ein Foto mit ihm habe ich nicht gemacht, ich finde diese Selfie-Manie albern. Dank der Ordner, die da waren, ging es auch relativ zivilisiert zu, ich wollte noch ein zweites Autogramm für eine Freundin, wurde aber von den Ordnern vertrieben, als ich mich nochmal anstellen wollte. ''Only one time!'' Ein paar Fotos habe ich mit meiner Canon in einigem Abstand gemacht, aber die kleine neue Nikon, die ich mir für diesen Zweck gekauft habe, kam nicht zu Einsatz. Um 1 Uhr früh war ich dann wieder im Hotel.
Alles in allem war es ein wundervoller Tag. Ein Wochenende später hätten sie Julius Cäsar nicht gespielt. Ich habe den Mut gefunden AH um das Autogramm zu bitten und einen einigermaßen intelligenten Small Talk gemacht. RA hat nach der Vorstellung Autogramme gegeben, was er nicht hätte tun müssen.
Am nächsten Morgen bin ich dann nach Stratford gefahren. Neben dem Olympiagelände von 2012 gibt es dort das größte Einkaufszentrum Europas Westfield. Dort hat mich ein Wachmann darauf hingewiesen, dass ich keine professionellen Fotos machen darf. Meine Canon als Profi Kamera zu bezeichnen, ist so als würde man meinen Corsa als Rennwagen bezeichnen. Ich habe mich dann in Richtung Olympia Gelände verabschiedet. Das Gelände ist noch im Umbau begriffen, man baut die Olympiastätten so um, dass sie von jedem genutzt werden können. Lange habe ich mich dort nicht aufgehalten, zumal die Fahrt auf den Aussichtsturm 15 Pfund gekostet hätte, das war mir dann doch zu teuer.
Von dort bin ich dann entlang des Kanals nach Hackney gelaufen. Durch den Park bis zur Hauptstraße, wo ich dann in einem vietnamesischen Restaurant gut zu Mittag gegessen habe. Ich habe erst noch überlegt, ob ich vielleicht direkt nach London Fields laufen sollte, habe mich aber dann dagegen entschieden. Leider. Denn am Broadway gab es einen Bauernmarkt und nach den Bildern, die ich heute im Internet gesehen habe, hätte ich dort gegebenenfalls sogar Michael Fassbender antreffen können - es hat halt nicht sollen sein. In Hackney habe ich noch einen kleinen Abstecher in das Outlet von Burberry gemacht, allerdings fingen die Preise dort bei 60 Pfund für eine kleines Halstuch an und so viel Geld hatte ich nicht dabei (und wollte ich auch nicht ausgeben). Über den Broadway bin ich dann wieder zurück an den Kanal und von dort entlang bis zur nächsten Overground Station, dann mit dem Zug und der Underground zurück nach Hammersmith.
Insgesamt waren es rund neun Kilometer, die ich an diesem Tag gelaufen bin. Mit brennenden Füßen war ich gegen 18 Uhr im Hotel zurück und am nächsten Morgen ging's dann schon wieder zurück nach Deutschland. Dank der beiden ausgefallenen Fähren von Dover nach Calais war ich dann kurz nach Mitternacht wieder zuhause.
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